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Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
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Institut für

LV Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Projekt

Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheiten (SoNegU)



Logo SoNegU
© Thünen-Institut/Andreas Klärner
Logo des Wissenschaftlichen Netzwerkes "Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheiten"

Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheiten - Wissenschaftliches Netzwerk (DFG)

Soziale Ungleichheiten zwischen Menschen hängen eng mit Gesundheit zusammen. Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status werden eher krank und sterben früher als Menschen mit einem höheren sozioökonomischen Status. Ziel dieses Projekts ist es zu erforschen, welche konkreten Faktoren und Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass sich soziale Ungleichheit in Gesundheit, Gesundheitsverhalten und gesundheitliche Unterschiede übersetzen.

Hintergrund und Zielsetzung

Sozialepidemiologie und Gesundheitssoziologie machen empirisch fortwährend auf den Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Status und Gesundheit aufmerksam: Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status sind weltweit und auch in Deutschland über alle Altersstufen hinweg überproportional oft krank und sterben früher.

Eine umfassende und breit akzeptierte Erklärung der Ursachen dieser gesundheitlichen Ungleichheiten liegt derzeit noch nicht vor. Zwar werden soziale Unterstützung und soziale Beziehungen im Rahmen soziologischer wie psychologischer Erklärungsansätze als relevant für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten angesehen. Aber nur selten wird der Blick hierbei auf die Gesamtheit individueller Beziehungsgeflechte, ihre Strukturen und Wirkmechanismen gerichtet.

Die Perspektive der (sozialen) Netzwerkforschung hat in den letzten Jahren insbesondere in der angloamerikanischen Gesundheitsforschung an Popularität gewonnen, in Deutschland gibt es dazu bisher nur wenige Arbeiten.

In dem von der DFG geförderten Wissenschaftlichen Netzwerk „Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheiten (SoNegU)“ (www.sonegu.net) kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen (Soziologie, Psychologie, Public Health u. a.) mit unterschiedlichen theoretischen und methodischen (quantitativ, qualitativ) Ausrichtungen zusammen. Ziele des Netzwerks waren insbesondere,

(1) die Netzwerkforschung in der deutschsprachigen Gesundheitsforschung bekannter zu machen und

(2) die Netzwerkperspektive für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten weiter zu entwickeln und besser nutzbar zu machen.

Ein besonderes Augenmerk des am Thünen-Institut angesiedelten Projektteils liegt auf der Erforschung regionaler gesundheitlicher Ungleichheiten, insbesondere im Hinblick auf mögliche Unterschiede in der Struktur und Funktion sozialer Netzwerke in ländlichen und nicht-ländlichen Räumen.

Vorgehensweise

Wissenschaftliches Netzwerk; multimethodisches Vorgehen (Literaturrecherche, quantitative und qualitative Verfahren der Analyse sozialer Netzwerke)

Unsere Forschungsfragen

(1) Gehen Unterschiede im sozialen Status auch mit einer anderen Zusammensetzung von sozialen Beziehungsnetzwerken einher?

(2) Sind Unterschiede im sozialen Status, d.h. in den vertikalen Ungleichheitsdimensionen Bildung, Beruf, Einkommen, mit jeweils anderen Netzwerkeinfluss- und -selektionsmechanismen in Bezug auf das Gesundheitsverhalten assoziiert?

(3) Führen Netzwerkeffekte je nach sozialem Status zu anderen individuellen gesundheitlichen Konsequenzen?

(4) Haben soziale Netzwerke in unterschiedlichen Lebensphasen verschiedene Wirkungen auf das individuelle Gesundheitsverhalten?

(5) Wie verändern sich soziale Netzwerke (in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status) bei zunehmenden altersbedingten gesundheitlichen Einschränkungen?

(6) Welche gesundheitlichen Konsequenzen ergeben sich aus Netzwerkänderungen, die im Alter stattfinden?

(7) Welche geschlechtsspezifischen, ethnischen und regionalen Unterschiede (insbesondere zwischen ländlichen und nicht-ländlichen Räumen) lassen sich bezüglich der Struktur und Funktion sozialer Netzwerke finden?

Ergebnisse

Mitglieder von SoNegU haben auf zahlreichen nationalen und internationalen Konferenzen Ergebnisse ihrer Forschung präsentiert. In Workshops wurden Theorien und Methoden der Netzwerkforschung vermittelt, zuletzt 2019 auf der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP).

Aus SoNegU ist ein Sammelband hervorgegangen, der den aktuellen Forschungsstand zur Rolle der Netzwerkforschung für die Untersuchung gesundheitlicher Ungleichheiten zusammenfasst sowie Forschungsdesiderata und Ideen für Folgeuntersuchungen benennt (Klärner et al. 2020).

Ein wichtiges Ergebnis der gemeinsamen Arbeit an dem Sammelband ist die Zusammenführung der unterschiedlichen Ansätze zu sozialen Beziehungen, sozialem Kapital und sozialen Netzwerken in der Gesundheitsforschung und deren Visualisierung in einem Theorie-Modell.

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

1.2016 - 12.2021

Weitere Projektdaten

Projektfördernummer: KL 2960/1-1
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Adebahr P, Keim-Klärner S, Knabe A, Klärner A (2025) "Usually, I do not quarrel" - What type of ties do we find when we ask about conflicts using a name-generator approach? Field Methods 37(1):3-19, DOI:10.1177/1525822X231220596

  2. 1

    Adebahr P, Keim-Klärner S, Klärner A, Knabe A (2023) Die Idealtypen spannungsgeladener Verbindungen. In: Meine Schwiegermutter macht mich krank : Eine Analyse spannungsgeladener Beziehungsaspekte und Gesundheit. Wiesbaden: Springer VS, pp 61-90, DOI:10.1007/978-3-658-42296-7_4

  3. 2

    Keim-Klärner S, Adebahr P, Brandt S, Gamper M, Klärner A, Knabe A, Kupfer A, Müller B, Reis O, Vonneilich N, Ganser MA, de Bruyn C, Lippe H von der (2023) Social inequality, social networks, and health: a scoping review of research on health inequalities from a social network perspective. Int J Equity Health 22:74, DOI:10.1186/s12939-023-01876-9

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn066271.pdf

  4. 3

    Reis O, Adebahr P, Brandt S, Ellwardt L, Gamper M, Hoffmann L, Keim-Klärner S, Klärner A, Knabe A, Krug G, Kupfer A, Lois D, Mlinaric M, Moor I, Müller B, Niehaus M, Reims N, Richter M, Seidel J, Lippe H von der, et al (2022) Desiderata: Social networks and health inequalities: which questions remain open? In: Klärner A, Gamper M, Keim-Klärner S, Moor I, Lippe H von der, Vonneilich N (eds) Social networks and health inequalities : a new perspective for research. Cham: Springer Nature Switzerland, pp 325-343, DOI:10.1007/978-3-030-97722-1_17

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065012.pdf

  5. 4

    Gamper M, Seidel J, Kupfer A, Keim-Klärner S, Klärner A (2022) Gender and health inequalities: social networks in the context of health and health behavior. In: Klärner A, Gamper M, Keim-Klärner S, Moor I, Lippe H von der, Vonneilich N (eds) Social networks and health inequalities : a new perspective for research. Cham: Springer Nature Switzerland, pp 245-272, DOI:10.1007/978-3-030-97722-1_14

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065011.pdf

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