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Institut für

SF Seefischerei

Probenahme auf einem kommerziellen Fischereifahrzeug - aus der Sicht unserer Doktorandin

Unsere Kollegin Katrine Wilhelmsen Melaa vom Thünen-Institut für Seefischerei hatte die Gelegenheit, auf dem kommerziellen Fischtrawler „Cuxhaven“ der Deutschen Fischfang-Union (DFFU) Proben für ihr Promotionsprojekt zu sammeln. Begleiten Sie Katrine auf ihrer Reise und erfahren Sie mehr über ihre Erlebnisse an Bord!

Unsere Kollegin Katrine steht vor dem kommerziellen Trawler „Cuxhaven“ in Hafnarfjörður (Island)
© Thünen-Institut / Sakis Kroupis

Ankunft am kommerziellen Trawler „Cuxhaven“ in Hafnarfjörður (Island)

Katrine konnte sich im Dezember letzten Jahres als Doktorandin unserem Kollegen Sakis Kroupis anschließen, der im Auftrag des Thünen-Instituts als wissenschaftlicher Beobachter an Bord war. 

Die „Cuxhaven“ ist ein ca. 81 Meter langer und 16 Meter breiter Fischtrawler, der unter deutscher Flagge fährt, in Cuxhaven beheimatet ist und für die „Deutsche Fischfang-Union“ (DFFU) vor allem vor Grönland und Norwegen unterwegs ist. Die Beprobung dieses Schiffes auf die Fangzusammensetzung und biologische Parameter ist Teil des wissenschaftlichen Beobachtungsprogramms des Thünen-Instituts im Rahmen des EU-Datenerhebungsprogramms („Data Collection Framework“ (DCF)). Die „Cuxhaven“ fischte hauptsächlich Kabeljau in den Gewässern vor der Dohrn-Bank - zwischen Island und Grönland.

Katrines Aufgabe war es, Magen- und Stabile Isotopen-Proben von zwei Rotbarscharten (Tiefenrotbarsch Sebastes mentella und Bankrotbarsch Sebastes norvegicus) auf dem Ostgrönland-Schelf für ihre Doktorarbeit zu sammeln. Ziel des Projekts ist es, die Verbreitung und Ökologie der beiden Arten zu untersuchen, um unser Wissen zu erweitern und die wissenschaftlichen Empfehlungen für Fangquoten zu verbessern.

 

Begleiten Sie Katrine auf ihrer Reise und erfahren Sie mehr über ihre Erlebnisse an Bord:

03.12.2024 - Abfahrt

Nachdem ich gut in Reykjavík, Island, angekommen war, wartete ich gespannt auf das kommerzielle Fischereischiff „Cuxhaven“ im Hafen von Hafnarfjörður im Südwesten von Island. Sakis und ich gingen um die Mittagszeit an Bord, als die Besatzung sich darauf vorbereitete, in den kalten isländischen Winter zu fahren. Es war das letzte Mal, dass wir in diesem Fjord waren, denn normalerweise legt das Schiff in Akureyri im Norden Islands an. 

Innerhalb von drei Wochen planten wir zwei Ausfahrten und einen Zwischenstopp in Akureyri, um frischen Kabeljau und Rotbarsch für den weiteren Export „zu löschen“, d.h. zu entladen.

Arbeit an Bord

Der Tag begann um 8 Uhr mit einem warmen Frühstück und den Vorbereitungen für einen neuen Tag mit Proben. Oft war das Timing perfekt, denn im Schleppnetz tauchte nach dem Frühstück ein neuer Fang auf, mit dem wir arbeiten konnten! Die Mannschaft hatte die Nacht durchgearbeitet und in den nächsten Stunden würde eine neue Schicht übernehmen.

Der erfahrene Kapitän wusste, in welchen Gebieten entlang der Dohrn-Bank die Zielart Kabeljau am ehesten zu finden war und wo die „Rotbarsch-Fanggebiete“ waren, in denen der Bankrotbarsch (Sebastes norvegicus) am ehesten zu finden war. In Kombination mit dem Echolot ergab sich so eine gewisse Vorhersagbarkeit in einem ansonsten veränderlichen marinen System. Die Anzahl der Rotbarsche verringerte sich deutlich, als wir in die „kabeljaureichen“ Gebiete fuhren.

Kommerzielle Schiffe fischen drei bis vier Stunden (oder länger) am Stück, um ihre Netze zu füllen. Das sollte uns genug Zeit für die Probenverarbeitung geben, aber da die Fabrik strenge Hygiene- und Reinigungsanforderungen hat, muss alles schnell gehen, damit die Fabrik nach dem Sortieren des Fangs wieder vollständig gereinigt werden kann.

Die Wissenschaft hinter den Proben

Mein Probenahmeprotokoll beinhaltete Längen- und Gewichtsmessungen, Otolithen (Gehörsteine zur Altersbestimmung), Magenproben und Muskelproben für die Analyse der stabilen Isotopen von jedem Individuum. Im Gegensatz zu den Fischereiforschungsschiffen haben kommerzielle Fischereifahrzeuge eine höhere Selektivität aufgrund größerer Maschenweiten, so dass es nicht immer leicht ist, alle Größenklassen in unseren Proben abzudecken.

Die kommerziell wertvollsten Rotbarscharten, der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Bankrotbarsch (Sebastes norvegicus), werden in gemischten Fischereien gefangen, d.h. in Fischereien, die auf mehrere Arten in einem bestimmten Ökosystem abzielen. Da die beiden Arten gewisse Unterschiede in der Wahl ihres Lebensraums und in ihren Lebensweisen aufweisen, kann ein sorgsames Management erforderlich sein. Zum Beispiel gibt es Unterschiede in der Tiefe, in der sie vorkommen, und in der Größe, da der Bankrotbarsch dazu neigt, flachere Bereiche zu bevorzugen und größer zu werden als der Tiefenrotbarsch. Daher ist es wichtig, ihre Ernährungsgewohnheiten und ökologischen Wechselwirkungen zu verstehen. Magenproben liefern wertvolle Erkenntnisse über ihre Ernährung und ihre ökologische Rolle im Nahrungsnetz.

Der Rotbarsch in meiner Doktorarbeit

In meiner bisherigen Arbeit über diese Rotbarscharten habe ich ihre räumlich-zeitliche Verteilung entlang des südostgrönländischen Schelfs modelliert. Die Studie über die Ökologie der beiden Rotbarscharten baut auf einer umfassenden Untersuchung ihrer Interaktionen in diesem Gebiet auf.

Die Magen- und Muskelproben, die ich an Bord genommen habe, werden analysiert, wenn ich wieder am Institut bin. Die Magenproben werden mit zwei Methoden bearbeitet - morphologisch und mittels Metabarcoding. Bei der morphologischen Methode werden die Organismen in den Mägen mit Hilfe eines Binokulars identifiziert. Metabarcoding ist eine andere Methode, bei der DNA extrahiert wird, um die Organismen zu entschlüsseln. Dies kann nützlich sein, wenn der Inhalt stark verdaut ist. Außerdem werden Muskelproben für die Analyse stabiler Isotope verwendet, indem das Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff im Gewebe bestimmt wird. Dies hilft, den Energie- und Nährstofffluss im gesamten Nahrungsnetz des Ökosystems zu verstehen. 

Diese Proben werden dabei helfen, die Rolle der Rotbarscharten in der marinen Nahrungskette und ihre Wechselwirkungen mit anderen Organismen in der Region zu bewerten.

Kein Tag auf See ist wie der andere

Das Leben auf hoher See ändert sich von Tag zu Tag, das Wetter kann rasch von stürmisch zu ruhig wechseln. Auch auf hoher See kann sich die Landschaft von einem Tag auf den anderen ändern, wenn man an einem Tag ruhig durch grönländisches Packeis und an Eisbergen vorbeifährt und am nächsten Tag durch 6 Meter hohe Wellen dampft.

An manchen Tagen, wenn der Wind am stärksten war, musste man sich festhalten, weil das Schiff so stark hin und her schaukelte. Da sind ein paar Medikamente gegen Seekrankheit sehr willkommen! Zum Glück war Seekrankheit für mich kein allzu großes Problem, aber manchmal war es schwierig, das Gleichgewicht zu halten. An anderen Tagen war die See ruhig und es war leicht, durch die Wellen zu gleiten, und die Arbeit machte wieder mehr Spaß.

 

Neben den Eisbergen war auch das häufige Erscheinen von Polarlichtern wunderschön.

 

Es war auch sehr interessant, die Geschichten der Mannschaft zu hören, die im Laufe des Jahres so viele verschiedene Situationen auf See erlebt haben, mit all den Herausforderungen, die mit der Schleppnetzfischerei und dem Fang der Zielarten verbunden sind. Die Crew an Bord war sehr hilfsbereit und gastfreundlich, was die Moral bei schlechtem Wetter deutlich verbesserte. 

Es war auch faszinierend, die kommerzielle Seite der Fischerei aus der Forschungsperspektive kennenzulernen und zu erfahren, wie unsere Forschungsergebnisse am Thünen-Institut die Fangquoten beeinflussen, die von Schiffen wie der „Cuxhaven“ eingehalten werden müssen. 

19.12.2024 - Rückkehr in den Hafen

Nach einer erfolgreichen Reise kamen wir zum letzten Mal in Akureyri an, und während die Mannschaft die letzten Kisten mit frischem Kabeljau und Rotbarsch löschte, bereiteten wir uns auf die Heimreise vor. Es war eine sehr internationale Besatzung mit Arbeitern aus Portugal, Island, Rumänien und England, und es war interessant zu hören, wo die Crew-Mitglieder über Weihnachten zu Hause sein würden.

Der nächste Schritt war, meine Proben für den Rücktransport nach Deutschland vorzubereiten. Insgesamt war es ein großes und erfolgreiches Abenteuer mit vielen Proben, die analysiert werden können.

Erfahren Sie mehr über das Projekt:

Detailliertere Informationen zu Katrines Forschungsprojekt finden Sie auf unserer Projektseite “Rotbarschökologie am Ostgrönlandschelf”.

 

Ansprechperson

M.Sc. Katrine Wilhelmsen Melaa
Telefon
+49 471 94460 367
katrine.melaa@thuenen.de
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